2015-2016: Zukunftsstadt Dresden sucht Zukunfts-Visionen

2015-2016: Zukunftsstadt Dresden sucht Zukunfts-Visionen



Der Mensch der Industrielkultur hat einen Hang zur Selbstzerstörung. Jedes Jahr verschlingen wir die Ressourcen schneller, als der Planet Erde sie nachwachsen läßt. Der Earth Overshoot Day, der Tag an dem wir die von Januar bis Dezember nachgewachsenen Ressourcen aufgebraucht haben, war dieses Jahr bereits am 8. August erreicht. Mit unserer Nichtnachhaltigkeit sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen.

Aber: Jammern hilft nicht. Notwendig ist ein Transformationsprozess, der uns in Richtung einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise führt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will erforschen: Wie funktionieren nachhaltige Zukunftsstädte? In dem dafür aufgelegten Städtewettbewerb war Dresden eine von 51 Städten, die den Auftrag bekamen, eine Zukunftsvision der nachhaltigen Stadt zu entwickeln. In Dresden haben wir dazu gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Forschungsgruppe Wissensarchitektur an der TU Dresden (TUD) Workshopformate entwickelt und ausprobiert: 24 Workshops gab es von September 2015 bis Februar 2016 zu den unterschiedlichsten Themen, die das Leben in unserer Stadt betreffen. Die Ideen der Bürger, die sich beteiligten, haben wir zu einem Visionsbild zusammengebunden und so versucht darzustellen, worauf die nachhaltige Zukunftsstadt in 2030 Wert legt:
http://www.dresden.de/media/pdf/zukunftsstadt/Zukunftsbild_Version_1.0.pdf


Umundu-Festival 2016: STADT

Angeregt durch den Zukunftsstadt-Prozess thematisiert das diesjährige Umundu-Festival ebenfalls die Frage nach der städtischen Zukunft. STADT ist, wo wir leben. Die Stadt ist gestaltbar - diesen Gedanken müssen wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen und uns einbringen. Da inzwischen die Hälfte der Menschheit in Städten lebt und der überbordende Konsum der Städte der Haupttreiber des globalen Ressourcenverbrauchs ist, müssen wir uns die Frage stellen: Wie müssen wir unsere - vom fossilgetriebenen Industriesystem geprägte - Stadt verwandeln, damit sie in akzeptablen Nachhaltigkeitsgrenzen lebenswert bleibt? Wie gestalten wir den Stadtraum beispielsweise so, dass unsere Anforderungen an Mobilität energiearm umsetzbar sind? Welche Konsummuster und Lebensstile sind mit der nachhaltigen Zukunftsstadt kompatibel? Woher beziehen wir Produkte, Rohstoffe und Energie, wenn wir die Bedarfe der anderen Städte und Dörfer mitdenken? Und was können wir Dresdner von anderen Orten des Planeten Erde lernen und was geben wir der Welt zurück?


Transformation

Die Transformation einer Stadt der Industrie-Ära in eine nachhaltige Zukunftsstadt ist unerprobt. Der Wandel ist daher auch ein Experiment, in dem wir alle Forscher und Experimentierende sind. Umso spannender, dass ausgerechnet das Forschungsministerium mit dem Zukunftsstadt-Wettbewerb aktiv in den Stadtwandel eingreift. In der zweiten Zukunftsstadt-Phase, die von November 2016 bis April 2018 geht (1,5 Jahre), lautet die Aufgabe an uns Dresdner, Pläne zu schmieden. Pläne, die beschreiben, wie wir vom Heute zur Zukunftsstadt kommen. Das Zukunftsbild kann dabei als Leitbild funktionieren, das uns Orientierung im Weg durch die Zeit gibt. Das 2016er Umundu-Festival dürfen wir als Dialog der Dresdner Stadtgesellschaft verstehen: Wir beginnen darüber zu verhandeln, wie die Stadt der Zukunft aussehen und funktionieren sollte. Möge das Festival zahlreiche Inspirationen hervorbringen, die in den Zukunftsstadt-Planungsworkshops in 2017 ihre Spuren hinterlassen.

11. August 2016, Norbert Rost, Projektleiter "Zukunftsstadt"

Bild: Landeshauptstadt Dresden, Andreas Tampe


Mehr zum Zukunftsstadt-Projekt: www.dresden.de/zukunftsstadt