LESEWERKSTATT2019

UTOPIEN
FÜR
REALISTEN


Bist du Realist oder Utopist? Aber lassen wir diese merkwürdige Unterscheidung einfach mal hinter uns und stellen stattdessen die Frage, wie es um unsere Zukunftsvisionen so bestellt ist. Klimawandel, Artensterben, Armut und globale Ungleichheit, Automatisierung der Arbeitswelt und Bullshit-Jobs. Was sollen wir tun? Wir wissen es nicht genau, vielleicht auch, weil uns heute offensichtlich die großen Ideen, die gesellschaftlichen Utopien abhanden gekommen sind.
Mit „Utopien für Realisten“ versammelt der Autor Rutger Bregman faktenreich Beispiele, die zeigen, dass es sich lohnen kann, das scheinbar Unmögliche zu denken, um Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden. Und weil es so schön war beim #umundu2018, machen wir in diesem Jahr noch ein bisschen weiter mit dem utopischen Denken und schauen uns in der Lesewerkstatt die inspirierenden Gedanken des Buches etwas genauer an.

Organisatorisches

Der Veranstaltungsort sind die Internationalen Gärten in Johannstadt (Holbeinstraße Ecke Permoserstraße). Die Termine der Lesewerkstatt können unabhängig voneinander besucht werden. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Jede/r TeilnehmerIn kann gern eine Kleinigkeit zum gemeinsamen Gartenpicknick während der Lesewerkstatt beisteuern. Bei Regen gehen wir in das Gartenhaus.

Lektüre & Texte

Rutger Bregman, 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt-Verlag.

Auf Wunsch stellen wir den TeilnehmerInnen die Texte für die jeweilige Lesewerkstatt zur Verfügung. Bei Interesse sendet uns bitte eine Email an c.baerisch@umundu.de.

 

NÄCHSTE LESEWERKSTATT

 


RÜCKBLICK

Darüber haben wir in diesem Jahr in der Lesewerkstatt gegrübelt und diskutiert.


AUFTAKTRUNDE & GESPRÄCH "WARUM UTOPIE?"

Zum Auftakt haben wir Utopien gesponnen und sind schnell bei den Themen bedingungsloses Grundeinkommen und globale als auch nationale Ungleichverteilung gelandet. Bei Leckereien, selbstgemachtem Holundermost und Sonnenschein haben wir unsere Dialogfertigkeiten weiter ausgebaut und geschaut, mit welchen Themen wir uns in den kommenden Wochen beschäftigen möchten.

24. APRIL | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden


WO IST DIE UTOPIE?

(Kapitel I: Die Rückkehr der Utopie)

In der ersten inhaltlichen Sitzung der Lesewerkstatt stiegen wir in das Kapitel I: "Die Rückkehr der Utopie" ein und diskutierten, was Utopien kennzeichnet, wozu wir sie brauchen und ob und warum sie uns gerade heute fehlen. Unser Fazit: Auch wenn die Argumentation des Autors an manchen Stellen etwas schwach erscheint, liefert das erste Kapitel - besonders in der zweiten Hälfte - eine kritische und überzeugende Gegenwartsdiagnose des politischen und sozialen Zustandes unserer westlichen Gesellschaften.

"Die Freiheit mag unser höchstes Ideal sein, aber es ist eine leere Freiheit."

So haben die technischen und politischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte weltweit zu einer massiven Verbesserung der Lebensumstände für die meisten Menschen geführt, zunächst mehr Freiheiten geschaffen, gleichzeitig aber neue, große globale Herausforderungen hervorgebracht, vor denen die Weltgemeinschaft heute steht. Doch wir sollten angesichts aktueller Krisen Fortschritt nicht mit seinen negativen Folgen gleichsetzen: Technologie ist nicht deshalb schlecht, weil es die Atombombe oder die industrielle Landwirtschaft gibt. Das Internet ist nicht deshalb schlecht, weil es heute vor allem als virtuelles Kaufhaus oder zur Verbreitung von Fake-News und Hass genutzt wird. Demokratie ist nicht deshalb schlecht, weil sie von Feinden der offenen Gesellschaft missbraucht werden kann. Statt zu resignieren, so Rutger Bregman, sollten wir utopisch denken und fragen, für welche gemeinsamen Ziele wir diese Errungenschaften und auch unsere vernünftigen Freiheiten sinnvoll einsetzen wollen.

8. Mai | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden


DAS ENDE DER ARMUT oder GELD FÜR ALLE ?

Armut berhindert die Verwirklichung individueller Bestrebungen nach einem guten Leben. Soziale Ungleichheit gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft und produziert mehr Kosten, als wir glauben. Warum machen wir nicht einfach Schluss mit der Armut, indem wir allen ausreichend Geld für ein gutes Leben zur Verfügung stellen?

"Warum sollten wir [...] teure Fachleute in Geländewagen losschicken, wenn es wirksamer ist, ihre Gehälter einfach den Armen zu geben?"

Neuere empirische Forschungen zu Ursachen von Armut und der Lebensrealität von Armut Betroffener zeigen, dass Strategien zur Armutsbekämpfung bis heute von Mythen, Vorurteilen und alten Denkweisen geprägt sind.

Literatur: Warum wir jedermann Geld schenken sollten + Das Ende der Armut + Die unglaubliche Geschichte des amerikanischen Präsidenten, der ein Grundeinkommen einführen wollte, S.33-100 in: Bregman, Rutger 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt.

5. Juni | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden


WACHSTUM oder WAS WIR SEHEN & WAS WIR NICHT SEHEN

"Das Bruttosozialprodukt misst alles mit Ausnahme der Dinge, die das Leben lebenswert machen" sagte Robert F. Kennedy. Und tatsächlich vermittelt Bregman in seiner nah an historischen Daten angelegten Erzählung, dass das BIP heute keine sinnvolle Beschreibung unserer gesellschaftlichen Entwicklung liefert. Doch das Bruttoinlandsprodukt hat sich als der Wachstumsanzeiger in der Wirtschaftsstatistik fest etabliert. Angesichts der globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert mehren sich aber längst die Zweifel über den Nutzen und die Aussagekraft der alles bestimmenden Zahl. Denn das BIP erfasst laut Definition die Gesamtheit aller Waren und Dienstleistungen, die während eines Jahres hergestellt wurden. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Zweck und mit welchem gesellschaftlichen Ziel.

"Verkehrskollaps, Drogenmissbrauch, Ehebruch? Das sind Goldminen für Tankstellen, Entzugskliniken und Scheidungsanwälte. Wären Sie das BIP, so wäre ihr idealer Bürger ein Spielsüchtiger mit Krebs, der einen nicht enden wollenden Scheidungskrieg führt, den er nur ertragen kann, indem er sich mit Prozac vollstopft und am Black Friday in einen Kaufrausch verfällt" Bregman (2017: S.107)

Dinge wie Wissenszuwachs, ehrenamtliche Tätigkeiten, technologischer Fortschritt, Umweltschutz bzw. Umweltzerstörung oder soziale Ungleichheit bleiben meist unberücksichtigt. Wir benötigen dringend - so Bregmans Schlussfolgerung - neue Wachstums- und Entwicklungsindikatoren, die die Dinge erfassen, die für eine lebenswerte Gesellschaft und eine nachhaltige Entwicklung von Bedeutung sind. Diese sind aber ohne die Formulierung konketer Utopien und Ziele nicht zu haben.

Literatur: Kapitel 5: Neue Kennzahlen für eine neue Ära, S.103-125 in: Bregman, Rutger 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt.

19. Juni | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden


BULLSHIT JOBS oder DIE ZUKUNFT DER ARBEIT

"Leistung muss sich wieder lohnen" sagte mal ein Politiker, ohne zu erwähnen, um welche Leistung es sich dabei handeln sollte. Unsere Arbeitswelt ist im Wandel. Trotz steigender Produktionskapazitäten in der Landwirtschaft und der Industrie sinkt die Beschäftigungsquote in diesen Sektoren aufgrund von Automatisierung und Auslagerung beständig. Der Dienstleistungsbereich wächst und mit ihm, so die Analyse des Anthropologen David Graebers, die Anzahl nicht-produktiver Tätigkeiten und Bullshit-Jobs. Bregmans Hypothese: Hierzulande geht es längst nicht mehr um Wertschöpfung, sondern um Umverteilung und Wertabschöpfung. Welche Tätigkeiten schaffen überhaupt gesellschaftlichen Wert? Wieviel Arbeit braucht es heute noch für ein gutes Leben?

"Die Fähigkeit, die Freizeit intelligent zu nutzen, ist das erhabenste Produkt der Zivilisation." Bertrand Russell (I872-I970)

Bereits vor 150 Jahren gingen Denker wie Benjamin Franklin, Karl Marx oder John Stuart Mill davon aus, das wir irgendwann nur noch wenige Stunden zu arbeiten hätten. Das prominenteste Beispiel für die Entwicklung unserer Arbeitswelt lieferte John Maynard Keynes 1930 in einem Essay mit dem Titel Economic Possibilities for our Grandchildren.


Literatur: Kap.6: Die 15-Stunden-Woche, Kap.7: Warum es sich nicht lohnt, Banker zu sein + Kap.8: Der Wettlauf mit der Maschine, S.129-197 in: Bregman, Rutger 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt.

3. Juli | !19:00 - 20:30 Uhr
Internationale Gärten Dresden


TORE AUF FÜR EINE GLOBALE ENTWICKLUNG

Während wir uns leisten, über Zukunft und Utopien zu reden, sind viele Menschen, vor allem im globalen Süden, tagtäglich mit existenzbedrohender Armut und Ungleichheit konfrontiert. Die westliche Welt investiert pro Jahr 134,8 Milliarden Dollar in die Entwicklungshilfe. Doch niemand weiß genau, ob dieses Geld bisher überhaupt geholfen hat. Mit neuen Ansätzen versucht die jüngere Entwicklungsökonomie Antworten auf die Fragen nach der wirkungsvolleren Entwicklungshilfe zu finden. Als hoffnungsvolle Ansätze erweisen sich zum Beispiel bedingungslose Direktzahlungen oder gar die Vision von offenen Grenzen für alle Menschen. Welche Annahmen stecken hinter der heutigen Entwicklungshilfe, wo liegen ihre Fehler und wo eröffnen sich Chancen für eine globale Entwicklung ?

Literatur: Kap.9: Draussen vor den Toren zum Land des Überflusses, S.201-228 in: Bregman, Rutger 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt.

17. Juli | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden


WIE IDEEN DIE WELT VERÄNDERN

Wie kommen neue Ideen in die Welt, fragt Bregman im letzten Kapitel seines Buches. Auch wir wollen die Lesewerkstatt in diesem Jahr mit dieser Frage beschließen. In der letzten Lesewerkstatt 2019 wollen wir noch einmal kurz gemeinsam zurückblicken auf die Ideen , die in Utopien für Realisten für die großen Herausforderungen unserer Gegenwart vorgestellt wurden. Vor allem aber wollen wir die Bedingungen der Möglichkeit neuer Ideen und deren realer Wirkung auf unsere gesellschaftliche Realität diskutieren: Was genau braucht es, um neue Ideen hervorbringen zu können? Wie und wann entfalten sich diese Ideen schließlich als reale Utopien in Form gesellschaftlicher Veränderungen?

"Utopia taucht am Horizont auf Ich gehe zwei Schritte darauf zu, und es entfernt sich zwei Schritte. Ich gehe weitere zehn Schritte darauf zu, und der Horizont zieht sich zehn Schritte zurück. So weit ich auch gehe, ich werde ihn nie erreichen. Welchen Sinn hat dann die Utopie? Ganz einfach: dafür zu sorgen, dass wir weitergehen. (Eduardo Galeano 1940-2015)"

Literatur: Kap.10: Wie Ideen die Welt verändern, S.231-246 in: Bregman, Rutger 2017: Utopien für Realisten. Hamburg: Rowohlt.

31. Juli | 18:00 - 20:00 Uhr
Internationale Gärten Dresden